Wo geht's hier zur Kipferltante?

Man muss rasch zugreifen, um beim Schmankerlmarkt noch eines der hausgemachten Rahmkipferl zu ergattern. Bäckerin Margit Luckerbauer erzählt, warum diese so beliebt sind.

»ES SIEHT ALLES SO EINFACH AUS. ABER G’SPÜR KANN MAN NICHT LERNEN.«

Freitag ist Markttag. Das sieht man, hört man, riecht man. Es duftet nach frisch gebackenem Brot, nach süßen Beeren und würzigem Käse. Seit 25 Jahren bieten Bauern aus der Re- gion beim sogenannten Schmankerlmarkt am Hauptplatz von Wiener Neu- stadt ihre selbst erzeugten Produkte an. Vor sechs Jahren öffnete Margit Luckerbauer aus Hochneukirchen hier zum ersten Mal ihren Verkaufsanhänger. Ihren Namen kennen bis heute die wenigsten Marktbesucher – für die meisten ist sie die „Kipferltante“. Ihre hausgemachten Rahmkipferl mit sechs verschiedenen Füllungen (Marille, Mohn, Nuss, Powidl, Ribisel und Topfen) sind mittlerweile so begehrt, dass sie an manchen Markttagen schon um zwölf Uhr komplett ausverkauft sind. Die Beliebtheit ihrer Kipferl erklärt sich die Vierzigjährige so: „Meine Kun- den erzählen mir oft, dass die Rahm- kipferl sie an frühe Kindheitstage erinnern.“ Außerdem würden die Kipferl bei guter Lagerung – in Tupperware oder im Plastiksackerl – bis zu eine Woche frisch bleiben und können auch tiefgekühlt werden.

Dass Margit Luckerbauer zur „Kipferltante“ wurde, wollte der Zufall. Als die dreifache Mutter nach ihrer Karenzzeit wieder zurück in ihren alten Job wollte, gab es die Firma nicht mehr. Da half ein Verwandter aus: Er überließ ihr nicht nur seinen alten Verkaufsanhänger, sondern auch das gut gehütete Rezept der Rahmkipferl. Dieses lässt sich Margit Luckerbauer natürlich nicht entlocken, nur so viel verrät sie: „Im Teig ist kein Zucker, er besteht nur aus Mehl, Butter, Eiern und Sauerrahm.“ Jeden Donnerstag huscht sie um vier Uhr in der Früh durch ihr Haus in den Keller, in dem sie sich eine kleine Backstube eingerichtet hat. Dort rührt und knetet sie den Teig und formt daraus 500 bis 700 Kipferl. „Das ist zwar eine furchtbare Patzerei“, sagt sie lachend, „aber ich habe die Liebe und das Talent zum Backen von meiner Mama mitbe­ kommen.“ Am Freitag, dem Markttag, tuckert sie dann eine Stunde lang die 55 Kilometer nach Wiener Neustadt und baut im Anhänger ihr Warensorti­ ment auf. Neben den begehrten Kipferln hat sie nämlich noch Eier und Erdäpfel aus der eigenen Landwirtschaft sowie selbst gemachte Marmeladen und Rindsleberknödel mitgebracht. Sechs Mal in Jahr wird am Hof geschlachtet, dann gibt’s – auf Bestellung – auch fri­sches Fleisch vom Angus ­Weideochsen.

Am besten verkaufen sich aber die Kip­ferl. Margit Luckerbauer weiß, was sie ihren Kunden schuldig ist. Und so steht sie winters wie sommers, bei Wind und Regen, bei plus 35 und minus 15 Grad in ihrem kleinen Anhänger. Oft auch halb krank. Und das in dem Wissen, dass man das Geschäft an heißen, kal­ ten und verregneten Tagen ohnehin vergessen kann. „Die Kunden erwar­ten, dass ich da bin. Und ich möchte sie nicht vergraulen. Also stehe ich da.“